Bundespräsident Johannes Rau Rau besichtigte Haus Kreienhoop und das Archiv für unpublizierte Autobiographien. Anschließend lud er zu einem Abendessen in kleiner Runde: Mitarbeiter, ausgewählte Journalisten, die örtlichen Honoratioren und Joachim Gauck. In seiner Rede würdigte Rau Kempowski als Autor, der in seinen Romanen »Gerechtigkeit gegenüber Jedermann« geübt, »die Menschen nicht beurteilt und nicht verurteilt« habe: »Vielleicht ist der geheime Schwerpunkt Ihrer ganzen literarischen Arbeit jenes Wort, das heute so altmodisch klingt und das doch ein Ausweis tiefer Menschlichkeit ist: Barmherzigkeit. Jenes Wort, das im Zentrum der christlichen Gottesvorstellung steht.«
Kempowski habe »die Stimmen der Toten gerettet«, sein Werk stehe dafür, »dem einzelnen Leben zu seinem Recht zu verhelfen, das einzelne Leben in seiner Einzigartigkeit darzustellen und zu erhalten.« In seinem Werk mischten sich »auf unvergleichliche Weise tiefe Menschlichkeit, ja Menschenfreundlichkeit, und tiefe Skepsis gegenüber dem, was Menschen denken und hervorbringen können.«
Rau betonte, sein Besuch diene auch dem Zweck, auf das berühmte und einzigartige Archiv noch einmal ausdrücklich aufmerksam zu machen, das Kempowski aus eigener Kraft und aus eigenen Mitteln, ohne staatliche oder andere Unterstützung aufgebaut habe: »Das wohl größte Tagebucharchiv der Welt.«
»Sie haben den Deutschen
etwas geschenkt, was wohl kein anderes Volk hat: Ein lesbares Archiv seiner
Hoffnungen und Irrtümer, ihrer Sehnsüchte und ihres Versagens.
Dafür sage ich Ihnen heute ganz offiziell als Bundespräsident
meinen Dank.«
Presse
FAZ, 7.6.2004
SZ, 7.6.2004
Zevener Zeitung 7.6. 2004
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© Fotos
Kathrin Riebensahm/Dirk Hempel 2004
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