Die Kempowski Stiftung Haus Kreienhoop wurde im Oktober 2005 von dem Schriftsteller Walter Kempowski gegründet. Sie möchte mit ihren Aktivitäten das gesellschaftliche Leben prägen und kulturelle Zukunft dauerhaft mitgestalten.

Die Buchmesse: Das Herumschlurfen der Menschenmassen, Großverlage mit Sitzecken, an denen Portwein ausgeschenkt wird, und winzig Verschläge aus Segeltuch, in denen Kleinverleger drei Titel anbieten.
Walter Kempowski am 16. Oktober 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Erst die Abweichungen von der Norm machen uns kenntlich.
Walter Kempowski am 27. September 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Je älter man wird, desto fremdartiger kommen einem Frauen vor.
Walter Kempowski am 1. August 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Die Schwägerin erzählte, sie habe sich als Kind neben eine Kuh auf die Wiese gelegt, die gerade wiederkäute. Sie habe das Kauen nachgemacht, und sie habe gesehen, daß sich im Auge der Kuh der blaue Himmel mit den Wolken spiegelte. Bei solcher Story fängt man an, den Erzähler zu lieben.
Das eine ist: solches Erlebnis zu haben, das andere: sich dessen zu erinnern. Und drittens: es wiederzugeben.
Walter Kempowski am 24. Juli 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006

 

 

Erst wenn die Straßen unserer Städte voll Menschen sind, die im Gehen Kempowski lesen, haben wir es geschafft.
Walter Kempowski am 11. Juni 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

„Kempowski sammelt Menschen“, sagt der kluge Raddatz.
Walter Kempowski am 21. Mai 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

An die Heimat denken heißt immer auch Abschied nehmen, denn jedesmal bricht was weg. Die Wellen spülen den Sand fort, es bleiben ein paar Steine liegen.
Walter Kempowski am 14. April 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006

 

 

Wir treiben unser Lebensspiel, und auf der Wand tanzen die Schatten.
Walter Kempowski am 4. März 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Ich weiß, daß die Seelen der Toten so lange leben, wie wir von ihnen sprechen. Und sie leben gern noch etwas, da drüben.
Walter Kempowski am 16. Februar 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Nichts geht verloren. Alles kommt wieder.
Walter Kempowski am 14. Januar 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008

 

 

Gedanken an Rostock, ausgelöst durch den Duft kokelnder Tannenzweige. Das Beharrungsvermögen hält uns in Kindheitserinnerungen gefangen, das Bewußtsein aber ist hiesig und läßt nichts mehr aufkommen von jener Stimmung.
Walter Kempowski am 24. Dezember 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Meine Handschrift und ich. Was ich geschrieben habe, schlingt sie in sich ein. Und das, was ich dann lese, hat sich verändert.
Walter Kempowski am 28. November 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008

 

 

Zyklen zu schaffen, das hat Schriftsteller schon immer gereizt. Hubert Fichte, Horst Bienek. Warum nicht? In Zyklen umschließt man die Welt mit beiden Händen.
Walter Kempowski am 12. Oktober 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006

 

 

Nur wer sich gut erinnert, überlebt.
Walter Kempowski am 1. September 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Es gibt überall Schönheit, und wenn es Sehnsucht ist nach ihr.
Walter Kempowski am 30. August 1959
Wenn das man gut geht! – Aufzeichnungen 1956 – 1970, 2012

 

 

Pädagogik ist dort am wirksamsten, wo sie nicht stattfindet.
Walter Kempowski am 9. Juli 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Früh, wann die Hähne krähn…
Arbeit ist das beste Mittel gegen Kummer jeder Art.
Walter Kempowski am 4. Juni 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008

 

 

Flieder. Die Blumen entfalten ihre Blütenflügel gen Himmel, „von wannen ihnen“ der Tod kommt. Daß die Menschen im Dezember Flieder haben wollen: Daran gehen wir zugrunde. Das sind die Erdbeeren im Winter und die Wegwerfkleider aus Papier.
Walter Kempowski am 8. Mai 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Erlebnisse: bedeutungsschwere Partikel, die im Gedächtnis kristallisieren. Die Erinnerung an das Erlebte ist nicht gleich dem Erlebten. Es hat ein Austausch mit dem Allgemeinen und mit dem Gegenwärtigen stattgefunden.
Walter Kempowski am 12. April 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Auf der „Insel“ vorm Haus ein Rest von Schnee? Woher denn das? Nein, es ist eine Schneeglöckchenkolonie.
Walter Kempowski am 3. März 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006

 

 

Träume, die sich uns entziehen, sind wie goldene Taler, die man ins Wasser wirft.
Walter Kempowski am 1. Februar 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Auch wenn ich über Vergangenes schreibe, hat das mit Zukunft zu tun, zum mindesten mit Gegenwart.
Walter Kempowski am 16. Januar 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006

 

 

In der Nacht ein großartiger Sternenhimmel. […] Allerhand größere Sterne, von denen ich gern gewußt hätte, wie sie heißen. Was man benennt, hat man.
Walter Kempowski am 9. Dezember 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008


 

Je besser etwas gelungen ist, desto schneller gewinnt man Abstand davon.
Walter Kempowski am 7. November 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

In der Pädagogik gibt es kein Rezept. Jeder Tag stellt einen vor neue Aufgaben, die man selbst lösen muß, kein Mensch kann einem dabei helfen.
Walter Kempowski am 2. Oktober 1957
Wenn das man gut geht! – Aufzeichnungen 1956 – 1970, 2012

 

 

Alles Schreiben ist nur das Ertasten von Verlorenem.
Walter Kempowski am 1. September 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Wer Tagebuch schreibt, muß ein Sonnensegel in seinem Universum entfalten, da finden sich immer Staubpartikel.
Walter Kempowski am 20. August 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Daß Unterrichten auch dem Lehrer Spaß machen muß – sonst hält man es nicht 30 Jahre aus –, das begreifen sie nicht. Jede Stunde, in der nicht gelacht wird, ist eine verlorene Stunde.
Walter Kempowski am 10. Juli 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Chaos und Ordnung. Das Chaos ist das Menschlichere.
Walter Kempowski am 12. Juni 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Zur Heiterkeit findet ein Mensch zurück, wenn man sich mit ihm beschäftigt.
Walter Kempowski am 15. Mai 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

„Voll von Wundern war mir die Welt…“, und täglich kommen neue dazu. Anderes sinkt in die Tiefe ab, und kein Schleppnetz holt es wieder herauf.
Walter Kempowski am 1. April 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008

 

 

Das Leben im Zeitraffer. Ein Zeit-Mikroskop erfinden. Tage unter einer „Zeit-Lupe“ betrachten.
Walter Kempowski am 14. März 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008

 

 

Mit etwas zu beginnen, ist es nie zu spät.
Walter Kempowski am  28. Februar 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Jede Biographie ist ein Gegenstück zu einer anderen. Alle zusammen bilden eine Kuppel, und wir stehen unter ihr und sinnen den Mustern nach, die sich aus den Lebenslinien bilden und sonderbarerweise großartig zusammenfügen.
Walter Kempowski am 8. Januar 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006

 

 

Es ist ganz einfach: man muß wissen, was man will. Und das genügt.
Walter Kempowski am 11. Dezember 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006

 

 

Auf eine Idee kommen. – Sie kommt doch auf uns? Oder? Woher? Aus einer Weltraumferne.
Walter Kempowski am 17. November 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008

 

 

Sie können uns doch nicht die Sehnsucht nach der Heimat übelnehmen. Der Unterschied zwischen dem Zuhause und der Heimat.
Walter Kempowski am 19. Oktober 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Das Fanal ist es, was immer haften bleiben wird. Eine solche Tat mit einem so naiv-klaren Ziel wird zwar nicht die Welt verändern, aber als babylonisches Ereignis dauern. Ich kann nicht Zeitung lesen, nicht schreiben, nichts […].
Walter Kempowski am 12. September 2001
Tagebucheintrag zu 9/11

 

 

Um Tagebuch schreiben zu können, muß man die Gegenwart erleben, als ob man sich an etwas Vergangenes erinnert.
Walter Kempowski am 1. August 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Wieso denken wir gleich immer an brennende Kerzen, wenn wir mit den Seelen in Beziehung treten? Auch Blumenopfer sind sinnlos. Setze dich in einen Stuhl und sage leise vor dich hin: Vater, dann steht er sofort neben dir.
Walter Kempowski am 30. Juli 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Ich telefonierte mit Robert, der ganz vergnügt war.
Ich: „Schlechtes Wetter, nicht?“
Er: „Wieso? Ich sitze drinnen.“
Walter Kempowski am 29. Juni 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Ihr lieben Tagebuch-Schreiber, was wäre ich ohne Euch!
Walter Kempowski am 18. Mai 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001

 

 

Über Kinder und junge Hunde haben sich bestimmt schon die Neandertaler gefreut.
Walter Kempowski am 23. April 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990

 

 

Der Tag sammelt die Lebenskristalle an, ohne daß man es wahrnimmt. Man pickt sie erst auf, wenn sie sich gehärtet haben. Das kann Jahre dauern, bis sie reif sind.
Walter Kempowski am 8. März 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008

Aktuelles in Haus Kreienhoop

05.11.2014

Literaturnachmittag >

 

05.12.2014 – 07.12.2014

Literaturseminar >

 

07.12.2014

Musikabend >

 

 

Aktuelles

20.10.2014 – 29.10.2014

Kempowskitage Rostock >

 

31.10.2014

Literaturhaus Berlin

Was ist denn hier passiert?

Die Historiker Jörg Baberowski, Stefanie Schüler-Springorum und Michael Wildt im Gespräch mit Simone Neteler über Plankton >

 

07.11.2014

Plankton – Gespräch mit Volker Hage und Simone Neteler, Lesung: Ulrike Goetz und Rudolf Guckelsberger

Stadtbibliothek Stuttgart >

 

 

Neu erschienen

Walter Kempowski:
Plankton
Ein kollektives Gedächtnis

(herausgegeben von Simone Neteler)
München 2014

Plankton im Knaus-Verlag >

Das Plankton-Projekt >

 

Philipp Böttcher und Kai Sina (Hrsg.):

Walter Kempowskis Tagebücher.

Selbstausdruck, Poetik, Werkstrategie

München 2014

 

Walter Kempowski:

Herzlich willkommen

Hörbuch, gelesen von Hildegard Kempowski

Osnabrück 2013